Technische Universität Dresden
Informatik für Menschen! Gesellschaft für Informatik e.V.
Informatik 2006 - 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik - 2006 - Technische Universität Dresden

Making Sense - "Richtige" Software entwickeln

„Making Sense“ lautet der berechtigte Anspruch der Benutzer an die Nutzung eines interaktiven Systems. John M. Carroll stellt diesen Anspruch in seiner Liste der „user concerns“ noch hinten an. So auch das IEEE Institute in seiner ursprünglichen Definition von Validität. „Validation is the process of evaluating software at the end of the software development process . . .” (1984). Making Sense ist die Validitätsfrage. Dieser Vortrag greift die Validitätsfrage der Informatik wieder auf, weil sie bis heute nicht befriedigend beantwortet ist.

Barry Boehm hat 1984 die Validität eng mit der Verifikation verknüpft, so dass sie sich seither sehr gut hinter dem so genannten V&V-Paradigma der Qualitätssicherung verstecken konnte. Aus diesem Grunde ist 20 Jahre später die Validitätsfrage immer noch nicht geklärt. Im Gegenteil: Von Anfang an begab sich die Informatik mit ihrem Konzept von Validität in eine Immunisierungsfalle: Validation is the process of evaluating software “to ensure compliance with software requirements”. - Die Validitätsfrage ist offensichtlich auch mit der Frage nach den Anforderungen verknüpft, die es zu erfüllen gilt. Dieser Vortrag greift auch die Anforderungsfrage der Informatik auf. Weil auch diese Frage bis heute nicht befriedigend beantwortet ist, tut sich die Immunisierungsfalle immer wieder auf.

Am Ende des Vortrags kehren wir zurück zum Benutzer, der genervt fordert: „Making Sense!“. Denn es ist der Benutzer, der schließlich während der Nutzung feststellt: „Ich glaube, die [Entwickler] haben nicht verstanden, wie wir hier arbeiten.“ Hängen die noch offenen Fragen der Validität und der Anforderungen auch mit der Frage der Nutzungsqualität von Software zusammen? Der Vortrag wird sich auch dieser Frage stellen.

Kurzbiographie Dr. Dzida


Wolfgang Dzida hat im Fach Psychologie an der TU Berlin promoviert. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am früheren Nationalen Forschungszentrum für Informationstechnik (GMD) und leitete dort multidisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Dialogsysteme, seit es diese gibt. Aus seinen Projekten stammen die Grundsätze der Dialoggestaltung, die inzwischen eine internationale Usability-Norm sind. Hieraus entwickelte er den weltweit ersten Standard-Usabilit-Test, der heute verbindliches Prüfverfahren für akkreditierte Software-Prüfstellen ist.

Mehrmals wurde er von Universitäten im In- und Ausland zu Gastprofessuren eingeladen. Seit Jahren führt er Seminare an der Deutschen Informatik Akademie zu den Themen Software-Ergonomie, Usability-Engineering, Usability-Test und Spezifikation von Nutzungsanforderungen durch. Nach dem Ausscheiden aus der Forschungsarbeit gründete er zusammen mit Thomas Geis die ProContext GmbH. Als wissenschaftlicher Direktor dieser Firma arbeitet er an der Entwicklung von Dienstleistungen für die Software-Industrie in den Bereichen der Geschäftsprozessentwicklung, der Anforderungsentwicklung, des Usability-Engineering, des Usability-Testens sowie der Beschaffungsvorbereitung von Softwareprodukten.